Beschlüsse des Bundestags und der Stadt Leipzig
Wilhelm-Leuschner-Platz vom Turm des Neuen Rathauses ©Stadt Leipzig


Seit den späten 1990er Jahren gibt es einen breiten öffentlichen Diskurs über ein Freiheits- und Einheitsdenkmal zur Erinnerung an die Friedliche Revolution im Herbst 1989 und die Wiedergewinnung der staatlichen Einheit Deutschlands 1990. Am 9. November 2007 hat der Deutsche Bundestag mit breiter Mehrheit den Beschluss zur Errichtung eines Freiheits- und Einheitsdenkmals in der Mitte Berlins gefasst. Am 4. Dezember 2008 forderte der Bundestag die Bundesregierung zudem auf, „gemeinsam mit dem Freistaat Sachsen und der Stadt Leipzig den Beitrag der Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt zur Friedlichen Revolution auf angemessene Weise zu würdigen“. So wurden Projekte in Berlin und Leipzig auf den Weg gebracht.

Mit seinem Beschluss vom 17. Juni 2009 nahm der Stadtrat der Stadt Leipzig den Auftrag an und begann mit Planungen für die Umsetzung. Ein erster Wettbewerb zum Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal fand dann 2011/2012 statt. Unter dem Vorsitz von Prof. Henri Bava hat das Preisgericht im Juli 2012 drei Preise vergeben. Den 1. Preis erhielten die Künstler M + M, Marc Weis, Martin de Mattia, München in Zusammenarbeit mit Annabau Architektur und Landschaft, Sofia Petersson und Moritz Schloten, Berlin, für das Projekt „70.000“. Nach intensiven Diskussionen Kritik in der Öffentlichkeit und den Medien wurden die drei mit Preisen ausgezeichneten Entwürfe überarbeitet und im Juli 2013 erneut beurteilt. Diese zweite Bewertung erfolgte jedoch durch ein Gremium, dem nur ein Teil der Mitglieder des Preisgerichts aus dem Wettbewerb angehörte. Die in der zweiten Bewertung getroffene Entscheidung wurde im Nachgang angefochten. Aufgrund der fortdauernden juristischen Auseinandersetzungen beschlossen die Stadtratsfraktionen von SPD, CDU und Grünen im Sommer 2014 die Beendung des Verfahrens, unter Aufrechterhaltung der grundsätzlichen Absicht der Errichtung des Denkmals und nach Abgeltung aller Ansprüche aus dem Wettbewerb.

Für einen zweiten Anlauf hat der Stadtrat von Leipzig am 18. Oktober 2017 beschlossen, „den Prozess der Entwicklung und Umsetzung eines breiten Beteiligungsprozesses mit dem Ziel der Erarbeitung eines Verfahrensvorschlages für den Stadtrat für die Realisierung eines Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmals der Stiftung Friedliche Revolution zu übertragen". Am 16. Juni 2022 hat der Leipziger Stadtrat die von der Stiftung Friedliche Revolution ausgearbeiteten Vorschläge zum Standort und Verfahren des Wettbewerbs für die Gestaltung des künftigen Denkmals bestätigt. Den Vorschlägen lag eine umfassender Beteiligungsprozess von Bürgerschaft und Fachleuten zugrunde.
Historischer KontextDie Friedliche Revolution im Herbst 1989 ist ein einmaliges Ereignis in der deutschen Geschichte. Nicht Gewalt führte zum Sturz der kommunistischen Diktatur, sondern Opposition und Widerstand sowie Zivilcourage und das Zusammenstehen der Demonstrantinnen und Demonstranten in der ganzen ehemaligen DDR. Motiviert durch die Freiheitsbewegungen in anderen Ländern Mittel- und Osteuropas und gemeinsam mit diesen war die Friedliche Revolution elementar für den Weg zur Überwindung der Spaltung Europas und der deutschen Einheit.

Die Friedliche Revolution im Herbst 1989 fand inmitten günstiger geopolitischer Begleitprozesse statt. Sowohl Menschenrechts- und Umweltgruppen als auch die Friedensbewegung der DDR forcierten den oppositionellen Widerstand innerhalb und außerhalb der kirchlichen Freiräume seit Mitte der 1980er Jahre. Die Friedliche Revolution hatte ein Vielzahl von Beteiligten und durchlief mehrere Stadien, aber sie hatte einen klaren Entscheidungsmoment: die Leipziger Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 als Wendepunkt der gesamten weiteren Entwicklung.

Dieser besondere Freiheitsmoment mit seinen Folgen für ganz Deutschland und darüber hinaus verdient es, mit einem angemessenen Zeichen gewürdigt zu werden. Ein solches Zeichen bietet die Chance, Erinnerungen wachzuhalten, Emotionen hervorzurufen, Denkprozesse anzustoßen und sich demokratischer Werte zu vergewissern, um heute ins Handeln zu kommen.

Mit der Vergegenwärtigung von Erinnerungen können die Erfahrungen und Werte der Friedlichen Revolution ins Heute und in die Zukunft geführt werden: Gewaltfreiheit, Zivilcourage und solidarisches Handeln.
Wettbewerbsgebiet
Wilhelm-Leuschner-Platz von Osten ©Stadt Leipzig


Das insgesamt ca. 7.390 qm große Wettbewerbsgebiet ist Teil des insgesamt ca. 3,8 ha Projektgebiets für die Neugestaltung des Wilhelm-Leuschner-Platz in Leipzig im Stadtbezirk Mitte im Ortsteil Zentrum-Süd. Grundlage für die Definition des Wettbewerbsgebiets ist der im vorausgegangenen freiraumplanerischen Wettbewerb mit dem 1. Preis ausgezeichnete Entwurf von Atelier Loidl. Dieser Entwurf wird die Basis für die Neugestaltung des großen Projektgebiets. Das Wettbewerbsgebiet setzt sich aus zwei Teilgebieten zusammen:

Kernfläche: 3.740 qm
Möglichkeitsraum: ca. 3.650 qm

Die genaue Lage des Projektgebiets und die Begrenzung des Wettbewerbsgebiets und seiner Teilgebiete können dem untenstehenden Lageplan entnommen werden.

Der Entwurf von Atelier Loidl Landschaftsarchitekten definiert eine als „Wiese der Friedlichen Revolution“ benannte Fläche als Standort für das Denkmal. Diese wird im künstlerischen Wettbewerb als „Kernfläche“ bezeichnet. In Absprache zwischen der Ausloberin, der Stadt Leipzig und dem Atelier Loidl wird zusätzlich zur Kernfläche für den künstlerischen Wettbewerb eine weitere Fläche als „Möglichkeitsraum“ des Wettbewerbsgebiets definiert.

Die Grundidee des Entwurfs von Atelier Loidl Landschaftsarchitekten für den 3,8 ha großen Platzraum ist „Ökotopia“, ein neuartiges städtisches Ökotop mit Orten für Tiere, Pflanzen und Mensch, mit dessen Hilfe sich der künftige Wilhelm-Leuschner-Platz den klimatischen Veränderungen der Zukunft stellen soll.
AufgabeGegenstand des Wettbewerbs ist die Gestaltung eines nationalen Freiheits- und Einheitsdenkmals auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz in Leipzig.

Mit dem Denkmal sollen der Mut und die Zivilcourage der ostdeutschen Bürgerinnen und Bürger beim Einsatz für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte 1989 gewürdigt werden. Die Herausforderung der Aufgabenstellung liegt in der Wahl der geeigneten Form und Lage des Denkmals und des angemessenen Mediums zur Auseinandersetzung mit dem Anlass des Denkmals. Es soll an die historischen Ereignisse der Friedlichen Revolution und ihrer darauffolgenden Epochenwende für Europa und die Welt erinnern und die bedeutenden gesellschaftlichen Erfahrungen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene in für alle heutigen und künftigen Generationen inspirierender und einladender Form in die Zukunft tragen und anregen, sich individuell zu vertiefen und kollektiv auszutauschen.

Erwartet wird eine künstlerisch zeitgemäße sowie qualitäts- und würdevolle Antwort, die der nationalen und internationalen Bedeutung des Denkmals gerecht wird.

Bei der Planung des Denkmals sollen die bereits für die Standortentscheidung relevante Qualität und Offenheit des zentral gelegenen und symbolisch verdichteten Orts sowie die mit der Planung der umliegenden Freiräume des Wilhelm-Leuschner-Platz gesicherte Sichtbarkeit des Denkmals und die Aufenthaltsqualität seines Umfelds berücksichtigt und möglichst als Potential ausgeschöpft werden.

Teil der Aufgabenstellung ist die Etablierung des Denkmals innerhalb des in Planung befindlichen Freiraums resp. Platzraums. Ziel ist es, nach dem künstlerischen Wettbewerb, die Planung des Denkmals mit der für die umliegenden Freianlagen in enger Zusammenarbeit im Detail zusammenzuführen.


Lageplan Wettbewerbsgebiet